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Selbstgespräche

Deutschland, 2007
Komödie, 96 Minuten, FSK: 0

Originaltitel:
Selbstgespräche

Kino-Start:
31.07.2008

Regie:
André Erkau

Darsteller:
Maximilian Brückner (Sascha), August Zirner (Richard Harms), Antje Widdra (Marie Bremer), Johannes Allmayer (Adrian Becher), Mina Tander (Astrid), Kirsten Block (Gisela Harms), Heinz-Werner Kraehkamp (Alfred Becher), Tanja Schleiff (Chefin), Melanie Vollmer (Gabriele Deutschmann), Dagmar Sachse (Daggi), Robert Meller (Micha Kowalski), Daniel Drewes (Ralf), Kilian Schüler (Noah), Rainer Furch (Pedro), Georg Uecker (Hans Peter Riedmann)
Selbstgesprche
TrailerPlakat
Wen nervt es nicht, wenn man beim Klingeln des Telefons erwartungsfroh den Hörer abhebt und statt eines lieben Menschen ein hartnäckiger Verkäufer eines Call-Centers einem zu ungelegener Zeit versucht, alles Mögliche aufzuschwatzen. Dass am anderen Ende der Leitung aber eigentlich auch nur Menschen wie Du und ich sitzen, die auch ihre eigenen Sorgen haben, zeigt auf vergnügliche Weise die Komödie "Selbstgespräche", das Kinodebüt von Regisseur und Drehbuchautor André Erkau.

Richard Harms (August Zirner) ist ehrgeiziger Leiter eines Callcenters, wo den potentiellen Kunden mit Kaltaquise scheinbar unschlagbar günstige Telefonverträge angedreht werden. Für den 44-jährigen ist das rege Treiben in den Telefonboxen Lebenselixier, und stets versucht er die Motivation seiner Mitarbeiter mit Parolen wie "Unser Lächeln muss man hören können!" zu steigern. Richards Arbeitseifer hat sich allerdings eher hinderlich für das Eheleben mit Gisela (Kirsten Block) ausgewirkt.

Neben derartigen Lebens- und Verkaufsweisheiten mahnt für alle ständig sichtbar eine LED-Anzeige an der Wand für eine ständige Steigerung der Verkaufszahlen. Über all das wacht die Chefin (Tanja Schleiff), deren Drohung der Verlagerung der Arbeitsplätze in Billiglohnländer über den Köpfen iher Angestellten schwebt.

Für die meisten der Angestellten ist diese Firma allerdings nur die mäßig bezahlte Übergangsstation zu einem erträumten besseren Leben. So sieht sich Sascha Wegemann (Maximilian Brückner) schon als der kommende Showmaster im deutschen Fernsehen. Tatsächlich hat er auf dem Gebiet der TV-Unterhaltung Erfahrung - bisher allerdings führt er nur Staubsaugerzubehör bei einem Homeshopping-Sender vor.

Ähnlich eloquent am Telefon ist Adrian Becher (Johannes Allmayer), sozusagen Harms´ bestes Pferd im Stall. Ihm gelingt es, am Draht einen direkten Draht zum Kunden aufzubauen. Doch im wahren Leben hapert es mit dem zwischenmenschlichen Kontakt noch etwas. Kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag wohnt er immer noch zuhause bei Papa Alfred (Heinz-Werner Kraehkamp) und ist immer noch Jungfrau.

Dabei hat es ihm schon eine Telefonkundin angetan: Mit Gabriele Deutschmann (Melanie Vollmer) führt Adrian angeregte Telefonate, allerdings ist er zu schüchtern, um sich mit ihr zu verabreden. Doch der in dieser Hinsicht erfahrene Sascha, dessen Freundin Astrid (Mina Tander) gerade schwanger wurde, animiert ihn tatsächlich zu einem Date mit Gabriele.

Auch Kollegin Marie Bremer (Antje Widdra) hatte eigentlich andere Berufspläne als mit Headset in einer engen Telefonbox zu sitzen. Doch nach dem Architekturstudium hat sich der Vater ihres Kindes sich ein Jahr Auszeit genommen. Als sie dann erfährt, dass er eine Andere heiraten will, hängt sie erstmal weiter im Callcenter fest.

Doch dessen Zukunft hängt an einem seidenen Faden: Einen Monat hat die Belegschaft Zeit, ihre Verkaufsquote um fünf Prozent zu erhöhen. Und so müssen alle noch einmal über sich hinauswachsen, um nicht plötzlich doch noch auf der Straße zu sitzen...

Film-Inhalt  

Sascha (Maximilian Brückner) wird von Richard Harms (August Zirner) begrüßt
Sascha (Maximilian Brückner) wird von Richard Harms (August Zirner) begrüßt

  Hintergrund

Die Chefin (Tanja Schleiff) hat ein Auge auf die Quoten
Die Chefin (Tanja Schleiff) hat ein Auge auf die Quoten

Der 1968 gebürtige Dortmunder hatte 1991 am Bremer Theater mit der Schauspielerei begonnen und war 1992 Mitgründer des dortigen Jungen Theaters. 1994 bis 1997 absolvierte er in Hamburg eine Schauspielausbildung und ging dann nach Esslingen an die Württembergische Landesbühne.

Ein 2001 begonnenes Regiestudium an der Kölner Kunsthochschule für Medien wurde 2005 mit Auszeichnung abgeschlossen. Bereits der dazu abgelieferte Kurzfilm "37 ohne Zwiebeln" wurde mit zwei Preisen auf dem Max-Ophüls-Festival ausgezeichnet. Sein Spielfilmdebüt "Selbstgespräche" erhielt im Jahr 2008 den Max Ophüls Preis 2008.

In dem Film haben gleich mehrere Prominente einen Cameo-Auftritt. Dazu gehört neben der Schwulen-Ikone Georg Uecker und Chris Norman, Popstar aus den 1970er und 1980er Jahren, auch der Untergrund-Journalist Günter Wallraff. Der war mit Reportagen wie "Ganz unten" als Türke Ali in den 1980ern bekannt geworden und hatte aktuell über die Zustände in einem Call-Center recherchiert.

"Ja, also ich war jung und brauchte das Geld", sag ich da immer ganz gern. Ich musste tatsächlich mal in einem Callcenter jobben - beziehungweise man hat mich eigentlich gezwungen. Ich hab in einem Callcenter gejobbt, um Geld zu verdienen, und mal abgesehen davon, dass der Job wirklich nicht der allerdollste ist, den man sich vorstellen kann, war es im Nachhinein wirklich eine sehr interessante Erfahrung. Also ich kam mit Leuten in Kontakt, die ich sonst nie getroffen hätte.

Ein Callcenter ist ja ein Sammelbecken für Menschen, die mit dem Studium fertig sind, für Schulabgänger, für Schulabbrecher, für Leute, die sich im Leben noch orientieren wollen. Jeder fünfte ist ein angehender Schauspieler - und alle sind sie am telefonieren und mehr oder minder unglücklich mit ihrer Situation. Und gerade Unglück ist ja der Stoff, aus dem Komödien gemacht werden. Insofern war das mein Idealort, um eine Komödie zu machen.

"Selbstgespräche" ist ja eine Komödie über Kommunikationsprobleme, über Sprachlosigkeit. Und da fand ich einen Raum, einen Platz richtig toll, an dem pausenlos geredet wird, und die Menschen lernen, wie man sich eigentlich mit Leuten unterhält. Wie man sich selber verkauf, wie man Produkte verkauft - also Menschen lernen im Callcenter Kommunikation.

Das Interessante an "Selbstgespräche" ist, dass gerade die Menschen, die das gelernt haben, es eigentlich im Privaten am wenigsten können. Da hat jeder auf seine Art und Weise von dem phantastischen Hauptcast ein riesengroßes Problem an der Backe, gehen Ehen in die Brüche, jemand verliert seinen Job, jemand kann nur am Telefon locker mit Frauen reden - also jeder hat ein Problem, und das Ganze wird amüsant an einem spannenden Ort erzählt.

André Erkau zum Film  

Marie (Antje Widdra) ist eigentlich Architektin
Marie (Antje Widdra) ist eigentlich Architektin

Geissendörfer über Erkau  

Sascha soll Hans Peter Riedmann (Georg Uecker) ein Wasser holen
Sascha soll Hans Peter Riedmann (Georg Uecker) ein Wasser holen

André war Student, und ich habe die Ehre gehabt, an der Kunsthochschule für Medien hier in Köln zu dozieren und hab einen Kurs in Schauspielerführung gemacht. Er war einer der Wenigen, die wussten, wie man mit Schauspielern reden muss, um sie zu motivieren, das Richtige zu tun. Er war ja selber erst mal Schauspieler, er hat ja Schauspiel gelernt, und da hat er damals schon Auszüge aus dem Drehbuch zu "Selbstgespräche" gegeben.

Da habe ich dann gemerkt, die Texte, vor allem die Dialoge, waren pfiffig und haben mich interessiert, und ich habe ihn dann gebeten, mir das ganze Buch zu geben. Und dann hat meine Produktionsfirma übernommen - Roswitha Ester und Torsten Reglin haben dann das Buch mit ihm ausgearbeitet, es entwickelt bis zum Drehbeginn. Fasziniert hat mich an der Sache nicht, dass es so authentisch war - das muss ein Drehbuch sein, das ist eine selbstverständliche Forderung.

Aber was mir gefallen hat war, dass es auch bei aller Melancholie und allen menschlichen Dingen dahinter doch gerade um das ging, was Menschen am meisten interessiert, nämlich um die Angst. Die politische Situation in so einem Geschäft, den Job zu verlieren. Und da mit sanften Hinweisen ein bisschen Kritik zu üben an der Ausbeutung, die in solchen Läden sehr oft stattfindet, und die in dem Film ja auch sehr gut zu beobachten ist - ohne Fingerzeig. Inszenatorisch habe ich ihn ab und zu beraten, aber ich habe während des Drehens selten eingegriffen.

Was auch bei Debütfilmen gar nicht unbedingt die Aufgabe des Produzenten ist. Der Debütant hat die Chance, man hat ihm vertraut, dass er das kann, und man lässt einem Debütanten wesentlich mehr Freiheit als meinetwegen einem Profi. Ganz wichtig ist natürlich auch, dass ein Regisseur sich nicht sagen lässt. Also dass er wirklich seinen Film im Kopf hat und ihn durchboxt. Wenn man sich den rausreden lässt, dann kommt man ins Chaos.

Zur Grossansicht bitte auf das jeweilige Bild klicken:

Bild-Gallerie  

Für Harms ist Adrian (Johannes Allmayer) der Beste
Für Harms ist Adrian (Johannes Allmayer) der Beste

  Stab und Besetzung

Sascha hat den großen Durchblick
Sascha hat den großen Durchblick
Regie:
André Erkau

Buch:
André Erkau

Kamera:
Dirk Morgenstern

Schnitt:
Oliver Grothoff

Produktion:
Hans W. Geissendörfer

Musik:
René Dohmen, Joachim Dürbeck

Kostueme:
Lore Tesch

Maske:
Heide Haß, Susan Schmidt

Darsteller:
Maximilian Brückner, August Zirner, Antje Widdra, Johannes Allmayer, Mina Tander, Kirsten Block, Heinz-Werner Kraehkamp, Melanie Vollmer, Dagmar Sachse, Robert Meller, Daniel Drewes, Kilian Schüler, Rainer Furch, Georg Uecker, Chris Norman, Günter Wallraff

Zeitgleich mit dem Film "Selbstgespräche" in der Regie von André Erkau liefen am 31.07.2008 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Unter Kontrolle
Thriller, USA, 2008


Jeder siebte Mensch
Dokumentation, China, Österreich, Luxemburg, 2006


Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia
Fantasy-Abenteuer, England, USA, 2008


Animals in Love
Dokumentation, Frankreich, 2007


39,90
Komödie, Frankreich, 2007

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