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Von einem der auszog - Wim Wenders frühe Jahre

Deutschland, 2007
Dokumentation, 100 Minuten, FSK: 0

Originaltitel:
Von einem der auszog - Wim Wenders frühe Jahre

Kino-Start:
24.01.2008

Regie:
Marcel Wehn

Von einem der auszog - Wim Wenders frühe Jahre
Plakat
Die erste Kinoliebe von Marcel Wehn war Yella Rottländer aka "Alice in den Städten" von Wim Wenders. Dieser Film hatte seine Begeisterung für dessen Werke geweckt und in selbst zum Filmemachen gebracht. Für "Von einem der auszog" bat Wehn Wenders, über die ersten Jahre seines Lebens zu berichten. Die Dokumentation lief in der Perspektive Deutsches Kino auf der 57. Berlinale.

Wim Wenders gehört zu den deutschen Regisseuren, die längst international agieren und auch in den USA hohes Ansehen genießen. Dieser Dokumentarfilm portraitiert den Filmemacher in der Zeit davor und analysiert das Verhältnis von der Person zu seinen Werken.

Der Filmemacher, Jahrgang 1945 berichtet über seine Kindheit im den kargen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, seine frühen Jahre in Paris, wo er sich als Kunstmaler versucht, und über die Entscheidung, anschließend Filme zu machen.

Der Zuschauer erfährt über Wenders Studentenzeit an der Münchner Filmhochschule, erste Erfolge und Niederlagen als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. Marcel Wehn lässt aber auch Kollegen und Freunde zu Wort kommen, die beruflich und privat mit Wim Wenders zu tun hatten.

Dazu gehören der Schriftsteller Peter Handke, der zwei von Wenders verfilmte Romane geschrieben hatte, und Bruno Ganz, der in Wenders "Der amerikanische Freund" zu internationaler Anerkennung gelangte. Doch auch seine Jugendliebe Ulrike Sachweh äußert sich, ebenso seine erste Gattin Edda Köchl-König wie auch die jetzige Ehefrau Donata Wenders, die als Set-Fotografin bei seinen filmen beteiligt ist.

So erfährt der Betrachter sowohl Details von der Arbeitsweise des Filmemachers wie auch von seiner Persönlichkeit. Zudem sind Ausschnitte aus seinen Werken zu sehen, angefangen von frühen Privataufnahmen aus der Jugendzeit mit der Super-8-Kamera. Dabei wird deutlich, wie Wim Wenders persönliche Erfahrungen in seinen Filmen aufbereitet.

Film-Inhalt  

Wim Wenders zwischen Bilder aus der Vergangenheit
Wim Wenders zwischen Bilder aus der Vergangenheit

  Hintergrund

Der Regisseur vor statt hinter der Linse
Der Regisseur vor statt hinter der Linse

Wim Wenders, als Ernst Wilhelm Wenders am 14.08.1945 in Düsseldorf geboren, wuchs in Oberhausen auf. Nach dem Abitur studierte er zunächst in Freiburg und Düsseldorf. Nach dem Vorbild seines Vaters, eines Chirurgen, schrieb er sich 1963 in Medizin ein, wechselte aber nach einem Jahr ins Fach Philosophie. Doch auch das schien ihm nicht die richtige Wahl. Daher brach er sein Studium ab und ging nach Paris, um sich dort als Maler zu versuchen. Doch die Aufnahme an der Kunstakademie scheiterte, und so kehrte Wenders 1967 nach Deutschland zurück. In München studierte er an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, drehte einige Kurzfilme, arbeitete nebenher als Filmkritiker und legte als Abschlussarbeit den Spielfilm "Summer in the City" vor. 1971 war er einer der fünfzehn Gründer des Filmverleihs "Filmverlag der Autoren".

"Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" von 1971 war der erste von drei Spielfilmen nach Büchern von Peter Handke. Der künstlerische Durchbruch erfolgte 1974 mit dem Preis der deutschen Filmkritik für "Alice in den Städten". Durch die internationale Produktion "Der amerikanische Freund" wurde Francis Ford Coppola auf Wim Wenders aufmerksam, dem er die Regie von "Hammett" (1982) übertrug. Weitere wichtige Werke waren "Der Stand der Dinge" (1982, Goldener Löwe Venedig), "Paris, Texas", (1984, Goldene Palme Cannes) und "Der Himmel über Berlin" (1987, Regiepreis Cannes).

Seine Werke der 1990er Jahre waren weniger erfolgreich, bis er mit "Buena Vista Social Club" 1999 eine Doku über kubanische Musik vorlegte, die gar für den Oscar nominiert wurde. Wenders Thriller "The Million Dollar Hotel" erhielt auf der Berlinale 2000 den Silbernen Bären.

Der Wim ist eine sehr beeindruckende Person. Durch das, dass er Wim ist. Das hat was mit Intelligenz und Sensibilität und dem Verhältnis dieser beiden Sachen zueinander zu tun; es hat was mit visuellen Möglichkeiten zu tun; es hat was zu tun mit seiner Wahrnehmungsfähigkeit, die sehr entwickelt und sehr speziell ist. Und es hat was damit zu tun, dass er schweigen kann. Und unter der Deckung dieses Schweigens mal so, mal so, mal so sich orientiert - das ist oft irritierend. Wenn er schweigt, weiß ich gar nichts.
Bruno Ganz

Meine ersten kleinen Stücke in Oberhausen wurden aufgeführt von einem Mann, der schon längst tot ist, nämlich Günther Büch, und Wim war Zuschauer. Und hat sich danach an mich gewendet und stand eben so in der Ecke, dass man ihn nicht übersehen konnte - trotz der Ecke. Wir haben uns dann sehr oft getroffen. Ich habe in Düsseldorf gelebt zu der Zeit. Ich habe sofort Zutrauen gefasst zu ihm. Er hat damals noch gemalt, er hat glaub ich mit Filmen noch wenig im Sinn gehabt. Jedenfalls kam es zu einem Gespräch. Und es ging so eine warmherzige Einsamkeit von ihm aus, die hat mich angezogen. Was haben wir gemeinsam? Ich weiß nicht. Ich glaube, wir reden nicht sehr viel. Es war immer so. Also ich rede eher mehr - aber eher aus Verlegenheit. Denn es ist manchmal nicht einfach so, sein Schweigen dann hinzunehmen.
Peter Handke

Eigentlich zieht sich durch alle Filme für mich durch die Unfähigkeit, auszudrücken, was da drin - was er denkt, was die Leute denken. Und dadurch entsteht eigentlich dann das Unglück. Für mich sind es eigentlich alles Personen, die halt unterwegs sind, auf der Suche sind nach etwas. Und versuchen, ehrlich zu sein - oder suchen danach. Deswegen ist es halt so eine Fortsetzung von seiner Familie, würde ich sagen. Also ist es nicht nur das, was war, sondern er versucht es auch aufzuarbeiten in seinen Filmen - in seinem Leben, aber auch in seinen Filmen.
Donata Wenders

Stimmen über Wenders  

Der Blick schweift in die Ferne
Der Blick schweift in die Ferne

Wenders über Wenders  

Wim und Donata Wenders begeben sich aufs Eis
Wim und Donata Wenders begeben sich aufs Eis

Mein Vater war auf eine Weise Arzt, wie man es glaub ich nur sein kann. Bei meinem Vater war das fast ästhetisch, einfach atemberaubend. Deswegen wollte ich auch, denke ich, zuerst Arzt werden. Und wenn, wäre ich auch Chirurg geworden. Also mir kam das eine Weile gar nicht in den Sinn, dass war anderes möglich wäre. Es ist dann erst im Lauf dieser ersten Semester Medizin mir klar geworden, dass das nicht mein eigener Weg war. Dieses enorm starke Bild meines Vaters loszuwerden sozusagen und einen eigenen Weg zu sehen, das hat ne Weile gebraucht.

Ich glaube nicht, dass ich sagen kann, "das" ist das Hauptthema. Meine Filme haben viele Themen. Aber es ist der durchgehende Tenor oder die durchgehende Fragestellung oder eine durchgehende Haltung, mehr als alles andere. Ansonsten kriegst Du solche Filme wie "Buena Vista Social Club" und "Alice in den Städten" und "Bis ans Ende der Welt" nicht auf einen Nenner - oder "Himmel über Berlin". Man kann nicht sagen, die haben ein Thema. Aber, wenn überhaupt, gibt es einen Grundton, der sie alle gemeinsam trägt, und das ist schon die Frage: "Wie soll man leben?" Also wie kriegt man das hin, in dieser Zeit mit all dem, was wir alle erleben und dem was die Welt durchmacht - wie kriegt man das auf die Reihe, dass man weiß, wofür man lebt. Das ist, denke ich, in allen Filmen, die ich gemacht habe, das worum es geht.

Zur Grossansicht bitte auf das jeweilige Bild klicken:

Bild-Gallerie  

Zwischen zwei wichtigen Weggefährten: Peter Handke und Bruno Ganz
Zwischen zwei wichtigen Weggefährten: Peter Handke und Bruno Ganz

  Stab und Besetzung

An der Nordseeküste
An der Nordseeküste
Regie:
Marcel Wehn

Buch:
Marcel Wehn, Ebbo Demant

Kamera:
Sarah Rotter

Schnitt:
Dorothee Broeckelmann

Produktion:
Arek Gielnik, Sonia Otto, Julia Kaczmarek, Karoline von Roques

Musik:
Can Erdogan, Julia Bassler, Meike Lu Schneider, Julia Barthel, Torun Stavseng

Darsteller:
Wim Wenders, Donata Wenders, Heinz Badewitz, Lisa Kreuzer, Helmut Färber, Robby Müller, Bruno Ganz, Peter Przygodda, Peter Handke, Yella Rottländer, Edda Köchl-König, Ulrike Sachweh, Rüdiger Vogler

Zeitgleich mit dem Film "Von einem der auszog - Wim Wenders frühe Jahre" in der Regie von Marcel Wehn liefen am 24.01.2008 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

My Blueberry Nights
Liebesfilm, Frankreich, China, 2006


Leergut
Komödie, Tschechien, 2007


Holunderblüte
Dokumentation, Deutschland, 2007


Die Rote Zora
Jugendabenteuer, Deutschland, 2008


Das Vermächtnis des geheimen Buches
Action-Abenteuer, USA, 2007


Das Beste kommt zum Schluss
Abenteuer-Komödie, USA, 2007

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