In einer Zeit, da die Überwachung der Bürger zunehmend in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerät, präsentiert der österreichische Filmemacher Christian Frosch ein Werk, das den Orwellschen Staat in die klaustrophobische Enge eines Wohnsilos einzwängt. "Weisse Lilien" hatte Weltpremiere auf dem Toronto Film Festival, in Deutschland wurde der Psychothriller erstmals auf dem Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern vorgeführt.
"Neustadt", das ist ein riesiger, futuristischer Wohnkomplex in naher Zukunft. Er wurde aus der Retorte entworfen und gebaut, um vor allem die gestiegenen Ansprüche an die Sicherheit zu erfüllen. So lautet zumindest die Aussage der Erbauer und Investoren. Die Anlage ist autark, niemand muss zum Arbeiten oder Einkaufen das Gelände verlassen.
Doch in Wirklichkeit ist es ein Überwachungsstaat im Kleinen. Alles und jeder wird überwacht und kontrolliert, sogar der Wasserverbrauch wird beaufsichtigt. Wer zuviel duscht, steht auch schon einmal im Trockenen da.
Zu den fünfzigtausend Bewohnern in dem düsteren und bedrohlich wirkenden Moloch ist Hannah Schreiber (Brigitte Hobmeier), die zudem auch beim Sicherheitsdienst von Neustadt beschäftigt ist. Schon länger sieht sie sich den Misshandlungen ihres aufbrausenden und misstrauischen Mannes Branco (Xaver Hutter) ausgesetzt. Ständig macht er ihr Vorwürfe und wird auch gewalttätig.
Als eine Wohnung in einer höher gelegenen Etage frei wird, trennt sie sich, unterstützt von ihrer Freundin Paula (Walfriede Schmitt) von Branco und zieht dorthin um. Doch die Hoffnung, dass ihr Leben nun sicherer und friedlicher werde, erfüllt sich für Hannah nicht.
Sie findet heraus, dass sich die Vormieterin unter mysteriösen Umständen das Leben genommen hat und wird neuerdings von Trugbildern gequält. Bei der Arbeit wird sie kurz ohnmächtig und wird von ihrem Vorgesetzten an die frische Luft geschickt. Zudem taucht Branco wieder auf und bedroht Hannah. Als Reaktion darauf besorgt sie sich eine Waffe.
Zudem besucht sie einen Kursus zur Selbstverteidigung, wo sie Anna (Johanna Wokalek) kennenlernt, die ihre Medikamentensucht mit dem Training überwunden hat. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine sonderbare Freundschaft, und mehr und mehr scheinen sie eins zu werden. Als Ludwig von Auerbach (Günther Kaufmann), der Architekt von Neustadt, einem Sprengstoffanschlag zum Opfer fällt, gerät Hannah unter Verdacht...
Film-Inhalt
In den langen Fluren von Neustadt
Hintergrund
Eine Wand des Wasserfalls
Als Beschreibung soziologischer Phänomene sieht der Regisseur und Drehbuchautor Christian Frosch "Weisse Lilien" als Folgeprojekt von "Die totale Therapie", ein Psychothriller aus dem Jahr 1996. Ihm schwirrte schon länger Bilder der Wiener Wohnanlage Alt-Erlaa im Kopf herum, die der Niederösterreicher als Schauplatz für einen Film verwenden wollte.
Der Bau dieser Terrassenförmigen Wohnblöcke im Süden der Österreichischen Metropole wurde in den 1970er Jahren begonnen. Tatsächlich hat Alt-Erlaa eine umfangreiche Infrastruktur, von Schulen und Kindergärten über Sport- und Freizeitanlagen, Schwimmbäder und Saunen, von einem Einkaufszentrum bis zu einer eigenen Kirche und einem Fernsehsender.
Nach einigen Widerständen von Seiten der Behörden und der Hausverwaltung gelang es Frosch schließlich, eine Dreherlaubnis zu erhalten. Vor Ort erwiesen sich viele Bewohner als hilfbereit, und so war es auch nicht sehr langwierig, unter ihnen Komparsen zu rekrutieren. Allerdings gibt er selbst zu, ein zwiespältiges Verhältnis zu solchen Wohnanlagen zu haben: "Durch die Überdimensioniertheit wirkt auf mich alles total künstlich. Es besteht ein extremer Widerspruch zwischen Außen und Innen, diese gigantischen Bauten einerseits und doch sehr niedrige Plafonds in den Wohnungen, die eher bedrückend wirken. Der Widerspruch zwischen der klaustrophobischen Enge drinnen und diesem gigantischen Entwurf außen wird im Film deutlich spürbar."
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Produktion: Gabriele Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Musik: Andreas Ockert
Kostueme: Alfred Mayerhofer
Darsteller: Brigitte Hobmeier, Johanna Wokalek, Martin Wuttke, Erni Mangold, Walfriede Schmitt, Xaver Hutter, Gabriel Barylli, Peter Fitz, Nina Fog, Markus Hering, Roland Jaeger, Günther Kaufmann, Ursula Ofner, Mirjam Ploteny, Christian Rode, Susi Stach
Zeitgleich mit dem Film "Weisse Lilien" in der Regie von Christian Frosch liefen am 11.09.2008 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an: