Ginge es nach der Theorie, so sollte die nach schon steinzeitlich-kommunistischen Gesichtspunkten organisierten ländlichen Gemeinschaften in Isreal - die Kibbuzim - ein Hort der Eintracht und Nächstenliebe sein. Dass dies in der Realität durchaus nicht immer so sein muss, zeigt der israelische Filmemacher Dror Shaul in seinem mehrfach preisgekrönten satirischen Drama "Sweet Mud".
In einem Kibbuz im südlichen Israel im Jahre 1974: Hier lebt Dvir (Tomer Steinhof) mit seiner Mutter Miri (Ronit Yudkevitz) und seinem älteren Bruder Eyal (Pini Tavger).
Dvir steht kurz vor seinem 13. Geburtstag und bereitet sich auf die Bar Mizwa vor - das festliche jüdische Ritual, das die Aufnahme in die Gemeinschaft der Erwachsenen bedeutet.
Und Dvir hat Sorgen um seine Mutter: Sie ist psychisch krank und hat bereits mehrfach Aufenthalte in einer Nervenheilanstalt hinter sich. Zudem hat sich die Gemeinschaft des Kibbuz - entgegen aller Theorien über das genossenschaftliche Zusammenleben - mehr und mehr von Miri abgewendet. Ein Schicksal, das auch Dvir droht, kann er doch den umfangreichen Pflichten, die auch ein 12-jähriges Kind in einem Kibbuz hat, nur schleppend nachkommen, da er viel Zeit für die Pflege seiner Mutter aufwenden muss.
Weiterer Ärger mit der dörflichen Gemeinschaft bahnt sich an, als Miri bekannt gibt, dass sie ihren Freund zu Besuch erwarten würde. Ihr Freund - sein Name ist Stephan (Henri Garcin) - ist weder Israeli noch ist er Jude, vielmehr reist aus der Schweiz an - nicht unbedingt eine gute Voraussetzung, um im Kibbuz Anerkennung zu finden.
Der einzige, der sich neben Miri auf Stephan freut, ist Dvir. Der vaterlos großgewordene Junge kennt ihn bisher nur aus den Erzählungen seiner Mutter, von der er auch weiß, dass Stephan früher einmal Landesmeister im Judo war, was ihn für Dvir durchaus interessant macht.
Um so größer ist der Schock, als Stephan dann auch tatsächlich eintrifft: Es ist ein älterer Herr, äußerich so um die siebzig; sein alpenländisches Judo-Championat liegt mehr als vierzig Jahre zurück.
Wie nicht anders zu erwarten, verläuft der Besuch nicht gerade glücklich. Als es dann auch noch durch eine Nichtigkeit zu einer Handgreiflichkeit kommt, spitzt sich die Situation zu...
Film-Inhalt
In dem Kibbuz von Dvir und Miri
Hintergrund
Mutter und Sohn haben Sorgen
Das Drehbuch zu "Sweet Mud" schrieb der israelische Filmemacher Dror Shaul, der auch Regie führte.
"Es hat Jahre gedauert, bis ich den Mut gefunden hatte, dieses Drehbuch zu schreiben", erinnert er sich. "'Sweet Mud' ist keine gänzlich wahre Geschichte, aber es ist wahr, dass der Film aus demselben Boden hervorgeht, in dem meine Kindheitserinnerungen heute begraben liegen.
Als ein Junge, der in einem Kibbuz geboren wurde und aufgewachsen ist, stellt sich mein Film einem kollektiven Gedächtnis entgegen, dass der Kibbuz ein Lebensraum für pittoreske Landschaften und die magischen Düfte der Natur sei - mit meinen eigenen, privaten Erinnerungen, in denen Menschen einfach Menschen sind, unabhängig von der Ideologie, die sie sich zu tragen entscheiden, und die sich
zuerst um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern und erst dann um die Bedürfnisse der Schwächeren."
"Sweet Mud" war der offizielle israelische Beitrag zum Oscar-Wettbewerb 2007 in der Kategorie bester fremdsprachiger Film. Neben zahlreichen Preisen auf kleineren Filmfestivals, gab es auf der Berlinale 2007 einen Gläsernen Bären und auf dem Sundance International Film Festival den Jurypreis für das Beste Drama.
Das hebräische Wort "Kibbuz" bedeutet etwa soviel wie Siedlung. Allerdings stellen sie eine besondere Form von Siedlung da: Nach quasi-kommunistischen Gesichtspunkten organisiert, gibt es die dörflichen Gemeinschaften in dieser Form nur in Israel.
Das Leben im Kibbuz ist basisdemokratisch organisiert. Die Produktionsmittel wie auch das Land stehen in einem genossenschaftlichen Eigentum.
Die Erlöse aus den landwirtschaftlichen Betrieben werden zu gleichen Teilen unter den Mitgliedern verteilt. Abgesehen von der persönlichen Habe existiert kein privates Eigentum.
Die ersten Kibbuzim wurden schon nach dem Ersten Weltkrieg von osteuropäischen Einwanderern gegründet, lange Zeit bevor es den Staat Israel gab.
Zur Drehzeit gab es in Israel rund 270 Kibbuzim mit zusammen etwa 120.000 Einwohnern. Dennoch leidet die Bewegung an einem zunehmenden Verfall ihrer ideologischen Werte und verkommt zusehens zu einer Attraktion für Touristen, wobei letztere schon zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz für viele Kibbuzim unverzichtbar sind.
Kibbuz
Dvir hat eine Freundin gefunden
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Bild-Gallerie
Miris (Ronit Yudkevitz) Freund ist weder Jude noch Israeli