Venezuelas offizieller Vertreter bei den Oscarverleihungen für den besten ausländischen Film im Jahr 2007 war das Jugend-Drama "Maroa" von Solveig Hoogesteijn. Das Werk wurde beim Filmfestival in Biaritz 2005 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Im deutschen Kino ist die spanische Originalfassung mit deutschem Untertitel zu sehen.
Die elfjährige Maroa (Yorlis Domínguez) hat nicht unbedingt eine rosige Zukunft vor sich. Als Waisenkind hat sie eine harte Schule durchmachen müssen. Doch im von Kriminalität und Gewalt geprägten Asphaltdschungel Caracas schlägt sich das kecke Mädchen ganz tapfer durch.
Sie ist in den Slums der venezuelanischen Hauptstadt bei ihrer meist ziemlich missmutigen und oft auch brutalen Großmutter Brigida (Elba Escobar) aufgewachsen, die ihre Enkelin nicht gerade mit Liebe überschüttet. Mit allerlei fragwürdigen Geschäften versucht sie sich und ihren Schützling durchzubringen.
Während Brigida sich als Wahrsagerin betätigt und nebenbei auch noch Lose verscherbelt, drängt sie Maroa dazu, das karge Einkommen aufzubessern, indem sie Porno- und Heiligenbildchen verkauft.
Doch das Mädchen wird von ihrem Freund Carlos (Alejo Engel) auch an richtig krummen Dingern beteiligt. So muss Maroa Schmiere stehen, wenn er ein Auto aufbricht.
Nachdem Carlos Bande in eine Schießerei verwickelt wurde, wird das Mädchen von dem korrupten Polizisten Ezequiel (Luke Grande) gefangengenommen und brutal verhört. Maroa wird in ein Heim geschickt, wo sie den Musiklehrer Joaquin (Tristán Ulloa) wiedertrifft, der das dortige Orchester leitet.
Maroa, deren einzige Begegnung mit der Kultur bislang aus kitschigen Telenovelas und Hip Hop bestand, Gerät durch die Musik Mozarts in eine ihr unbekannte Faszination. Joaquin nimmt das Mädchen in sein Orchester auf, sie lernt Klarinette zu spielen, und zwischen den beiden entwickelt sich eine unbewöhnliche Freundschaft...
Film-Inhalt
Maroa (Yorlis Domínguez) weiß sich durchzusetzen
Hintergrund
Das Leben ist für die Kinder nicht einfach
Kurz nachdem Solveig Hoogesteijn 1946 in Schweden geboren wurden, wanderten ihre Eltern, eine Deutsche und ein Holländer, nach Venezuela aus. In München nahm sie 1971 ein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen auf, anschließend ging sie wieder zurück nach Caracas und studierte Kunst und Literatur an der Universidad Central. Ihr Spielfilmdebüt war 1981 "Das Meer der verlorenen Zeit", das auf der Vorlage von "El mar del tiempo perdido" von Gabriel García Márquez beruht.
Zu "Maroa" wurde sie durch den Besuch eines Kinderheims in Caracas inspiriert. Dort erfuhr sie von einem Projekt, das den Kindern und Jugendlichen vorwiegend aus den ärmeren Schichten die Musik näherbringen soll. Gegründet wurde das "Sistema de Orquesta Juvenil e Infantil de Venezuela" 1975 vom venezuelanischen Komponisten José Antonio Abreu, der dafür 1998 von der UNESCO zum Botschafter für den Frieden ernannt wurde.
Im Zuge dieser Unternehmung wurde zahlreiche Musikschulen, Jugend- und Kinderorchester etabliert, und hunderttausende Kinder bekamen die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen. Aus dem Programm sind weltweit geachtete Musiker hervorgegangen, wie etwa der Dirigent Gustavo Dudamel, und Weltstarts am Dirigentenpult kommen regelmäßig nach Venezuela, um mit den Jugendlichen zu musizieren.
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Joaquin (Tristán Ulloa) eröffnet Maroa eine neue Welt