Coca-Cola war ein Tabu im Hause der Familie Precht, ebenso wie US-Serien wie "Raumschiff Enterprise" oder alles andere, was aus den USA kam und "kapitalistisch" oder auch "klassenfeindlich" war.
Und in eben diesem Hause der kommunistischen Familie Precht wuchs der kleine - 1964 geborene - Richard David zusammen mit seinen Geschwistern auf.
Seine Mutter - so erinnert sich Precht - trennte strikt und einfach zwischen "gut" und "böse".
"Gut", das war zum Beispiel die DDR, die sich der junge Precht als die Verkörperung des Paradieses auf Erden vorstellte, oder auch das Zeltlager der DKP-Jugendgruppe in Lüdenscheid.
In diesem Dokumentarfilm blickt Richard David Precht nicht ohne Ironie auf seine Kindheit zurück, auf seine Erziehung, die - wie er sagt - "so fortschrittlich daherkam, aber ein Kind nicht wirklich auf die Zukunft vorbereitete".
Neben zahlreichen Originalbildern aus dem Archiv der Familie Precht und filmischen Erinnerungen auf Super-8 schöpft der Film in der szenischen Umsetzung aus Archiven von Film und Fernsehen zu einem weit gespannten Themenfeld vom Vietnamkrieg bis zum Mauerfall.
Film-Inhalt
Bei Prechts
Hintergrund
Die Kinder Precht in den 1960er Jahren
"Lenin kam nur bis Lüdenscheid" ist die Annäherung an eine filmische Umsetzung von Richard David Prechts autobiografischen Erinnerungen, die unter dem gleichen Titel auch in Buchform erschienen sind. Der Film wurde vom WDR co-produziert.
"Er ist eine dokumentarische Fiktion, die Verfilmung der Welt in meinem Kopf", beschreibt Precht selbst den Film. "Ich habe versucht, in Bildern umzusetzen, wie ich aufgrund meiner Erziehung die Welt gesehen habe. Damit das nicht autistisch wird, kommen auch andere zu Wort, meine Familie, mein Mathelehrer"
Mehr als einmal schlüpft dabei Prechts kleiner Sohn in die Rolle seines Vaters, als eben dieser in seinem Alter war. Precht erklärt: "Es gibt einiges an altem Dokumaterial, das wir verwendet haben - unsere Familie ist ja insgesamt viermal gefilmt worden. So ist ein Bild entstanden, das das Buch ergänzt.
Wir haben aber auch Super-8-Aufnahmen mit meinem Sohn gemacht. Wir haben ihn in den Kulissen herumlaufen lassen, und das sieht sofort aus wie in den 60er oder 70er Jahren."
Richard David Precht, geboren am 8. Dezember 1964 in Solingen, studierte in Köln Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte und schrieb seine Doktorarbeit über den österreichischen Schriftsteller und Theaterkritiker Robert Musil.
Nach einem kurzem Aufenthalt in den USA, während dem er u.a. für die Chicago Tribune schrieb, bekam er im Jahre 2000 den Publizistik-Preis für Biomedizin.
Zu seinen bekanntesten Sachbüchern zählen "Die gleitende Logik der Seele" (1996), "Noahs Erbe" (1998) und "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?" (2007).
Neben Sachbüchern hat Precht aber auch zusammen mit seinem Bruder Georg Jonathan zwei Romane veröffentlicht: "Das Schiff im Noor" und "Die Kosmonauten".
Über Richard David Precht
Richard David Precht im Gespräch
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