Regisseur und Drehbuchautor Volker Koepp ist durch Filme wie "Dieses Jahr in Czernowitz" oder "Kurische Nehrung" für seine heimatverbundene und landschaftsorientierte Erzwählweise bestens bekannt. Mit "Holunderblüte" bleibt der dem Genre treu und berichtet über die trostlose Situation der Kinder in der Region um Königsberg. Der Film kommt in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln in die Kinos.
Ein Jahr lang hatte der Filmemacher Volker Koepp eine Gruppe von Kindern in der Region um Königsberg beobachtet, die frühere ostpreußische Hauptstadt.
Kinder, die häufig ohne die Eltern aufwachsen, die die Verantwortung für sich und ihre Geschwister übernehmen, die von Alkoholismus und Gewalt ebenso selbstverständlich erzählen wie von Freundschaft und Liebe.
Ein anderes Beispiel ist eine Familie mit zehn Kindern. Die Eltern sind meist abwesend, trinken und überlassen ihren Nachwuchs weitgehend sich selbst.
Volker Koepp verzichtet auf jedeweden Kommentar, und er fordert von den Kinder vor der Kamera auch nicht Anworten im Stile eines Interviews. Vielmehr zeigt er sie dem Zuschauer beim Spielen, Toben und Streiten, zeichnet Gespräche und Dialoge auf, die zufällig entstehen.
Neben allem Elend und wirtschaftlicher Not zeigt "Holunderblüte" aber auch, wie die Kinder kreativ ihren Lebensraum versuchen zurückzuerobern. Sie zeigen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen, es anders zu machen als ihre Eltern und bei all dem ihre Lebenslust zu behalten.
Film-Inhalt
Kinder bei Königsberg
Hintergrund
Die Kinder sind die Hauptleidtragenden
Der Film ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem RBB und dem MDR. Das Werk hatte seine Premiere auf dem Filmfest München 2007.
Mit "Hollunderblüte" schließt der 1944 im pommerschen Stettin geborene Volker Koepp seinen "Ostpreußen-Zyklus" ab.
"Holunderblüte" kommt in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln in die Kinos.
Eine Besiedelung des Raumes um Königsberg läßt sich bis zur Steinzeit zurückverfolgen. Nach einer vorübergehenden Ansiedlung von Goten zwischen etwa 100 v. Chr. bis 250 n. Chr. war die Gegend über die folgenden Jahrhunderte jedoch kaum bewohnt.
Um das Jahr 1000 n. Chr. setzte sich in der Gegend der baltische Stamm der Pruzzen fest. Da sich diese beharrlich einer Christianisierung widersetzten und sich wohl auch recht kriegerisch zeigten, rückte - nicht zuletzt auf Bitten polnischer Machthaber - der Deutsche Orden an der Ostseeküste gen Osten vor.
1254 errichtete der Deutsche Orden auf dem Grund einer ehemaligen Pruzzen-Festung die Schutz- und Trutzburg Conigsberg. Dem Orden folgten alsbald Siedler aus allen deutschen Landen.
Nach Auseinandersetzungen der preußischen Stände mit dem Orden und einer vorübergehenden Teilung Preußens schloß sich Ostpreußen ab 1525 der Reformation an.
In den folgenden Jahrhunderten gehörte Königsberg durchgängig zu Preußen, mithin auch zum Deutschen Zollverein, Norddeutschen Bund und schließlich zum Deutschen Reich.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde Ostpreußen durch den sog. "Polnischen Korridor" vom übrigen Reichsgebiet abgeschnitten, was zu wirtschaftlichen Rückschlägen führte.
Die Geschichte Königsbergs
Im Jugendclub
Königsberg wird Kaliningrad
Verfallene Bauten in Königsberg
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Königsberg und sein Umland von der Sowjetunion annektiert, die so einen eisfreien Hafen für die Baltische Flotte gewinnen wollte. Von den knapp 400.000 Einwohnern Königsberg waren bis Kriegsende 3/4 aus der Stadt geflohen.
Die verbliebenen Einwohner der mittlerweile in "Kaliningrad" umbenannten Stadt wurden von der Sowjetunion zunächst zur Zwangsarbeit verpflichtet. Durch Seuchen, Hunger, Mord und eine gezielte Ausrottungspolitik lebten von den 1945 noch 100.000 deutschen Bewohnern nach vier Jahren nur noch 20.000, die schließlich nach Westen zwangsumgesiedelt wurden.
Mit der deutsche Wiedereinvereinigung und den damit verbundenen Vertragswerken - dem "2+4"-Vertrag einerseits und der "Abschließenden Regelung in Bezug auf Deutschland" anderseits - ging das Gebiet um Königsberg am 3. Oktober 1990 völkerrechtlich verbindlich an die Sowjetunion.
Nach Ende des Kalten Krieges verlor der Königsberger Hafen seinen militärischen Wert für die Sowjetunion bzw. - nach deren Zerfall - für Russland. Ein tiefer wirtschaftlicher Niedergang war die Folge. Die Hoffnung, Königsberg könne sich zu einem "(Handels-)Tor zur EU" für Russland entwicklen, erfüllten sich bisher nicht.
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