Welche Auswüchse eine übertriebene Angst vor Umwelteinflüssen haben kann, zeigt Oliver Jahn in seinem Spielfilmdebüt "Die Eisbombe". Sein Gespür für skurrilen Humor hatte er vorher bereits in der Serie "Ijon Tichy: Raumpilot" bewiesen. Das Titelgebende Schreckensobjekt entstand aus Trockeneis und gefärbtem Wasser.
Die Eltern von Thomas-Albert (Eike Weinreich) sind "Ökos" wie aus einem schon etwas vergilbten Bilderbuch: Jörg (Peer Martiny) und Beate (Karoline Eichhorn) Schuhmann-Weil - man beachte den Doppelnamen - sind beide Lehrer und haben ihren beiden Sprösslingen - neben Tom noch sein kleiner Bruder Günter (Leon Wessels) eingeimpft, dass die Umwelt in Bornbüttel voller Gefahren ist.
Der Reaktorunfall von Tschernobyl während Toms Geburt war für sie ein Trauma, und seither verweigern sie sich der Konsumgesellschaft, verzehren nur Lebensmittel vom Biobauern und verfolgen im Fernsehen jedes Gesundheitsmagazin. Die Schuhmann-Weils sehen ihre Familie einer unheilvollen Bedrohung durch Chemie und Strahlen, Fast Food und Müll, Industrie und Technik ausgesetzt.
Ihre Ängste haben Vater und Mutter auf Tom projeziert, der dadurch zum Paradefall eines jeden forschungsdrängenden Psychiaters wurde. Die zahlreichen Phobien, Allergie und sonstigen Macken, die er im Lauf seines jungen Lebens entwickelt hat, steigern noch die ohnehin überbordende Fürsorglichkeit von Jörg und Beate.
Doch all die Vorkehrungen können ein verschreckendes Ereignis nicht verhindern, das die Familie in ihren Grundfesten erschüttert: Aus heiterem Himmel stürzt ein Eisbrocken durch das Dach ihres Hauses. Doch die Paranoia der Schuhmann-Weils macht sich auch in diesem Fall bezahlt: Kurzerhand zieht man in den Keller, der als Bunker ausgebaut selbst vor einem Atomangriff sicher ist.
Allerdings erfordert das einige Umstellung, müssen sie sich nun von Konserven ernähren. Zudem scheint der Einschlag auch Toms Einstellung erschüttert zu haben. Beate und Jörg sehen es ohnehin nicht gern, dass er bei seiner Arbeit als Zivi im Krankenhaus von dem rauchenden Personal wie Elfie (Heike Jonca) verdorben werde. Und nun will er dort auch noch ein eigenes Zimmer beziehen.
Und während seine Eltern aus ihrem vermeintlich sicheren Bunker heraus ihren Kampf gegen die Versicherung führen, die sich weigert, den Dachschaden zu decken, fühlt sich Tom in seiner neuen Umgebung befreit und findet außerdem in der kecken Schauspielschülerin Lucie (Katharina Schüttler) seine erste Liebe...
Film-Inhalt
Tom (Eike Weinreich) hat einige Eigenheiten
Hintergrund
Beate (Karoline Eichhorn) und Jörg (Peer Martiny) sind vorsichtig
Der 1969 gebürtige Oldenburger Oliver Jahn hatte seine berufliche Laufbahn im Bereich Elektronik begonnen. Ab 1995 studierte er in Berlin Visuelle Kommunikation und anschließend das Fach Regie. Seinen ersten Gehversuche machte er mit den Kurzfilmen "Nachtleben" (1997) und "Connected" (1998).
1999 drehte Jahn den Sci-Fi-Kurzfilm "Aus den Sterntagebüchern des Ijon Tichy" nach Motiven von Stanislaw Lem, Kult-Autor der Science Fiction, in der eigenen Wohnung. Es folgte ein zweiter Teil, und darauf aufbauend erschien 2007 die Sci-Fi-Comedy-Serie "Ijon Tichy: Raumpilot", für die er den Deutschen Fernsehpreis erhielt.
"Die Eisbombe" ist Jahns Kinodebüt und zugleich seine Abschlussarbeit an der Deutschen Film und Fernsehakademie. Produziert wurde mit Credofilm in Koproduktion mit dem ZDF Das kleine Fernsehspiel. Dank der Förderung durch Medienboard Berlin-Brandenburg, Nordmedia und den Deutschen Filmförderfonds kam ein Budget von rund 400.000 Euro zusammen. Gedreht wurde in Bremen und im emsländischen Meppen.
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Lucie (Katharina Schüttler) will Schauspielerin werden
Stab und Besetzung
Die Schuhmann-Weil stehen vor einer Bewährungsprobe