Erik Weihenmayer war im Jahr 2001 der erste blinde Mensch, der den Mount Everest bestieg. Sein Erfolg hat vielen Sehbehinderten neuen Antrieb und neuen Mut gegeben. Seine Geschichte regte die Leiterin einer Stiftung für blinde Kinder in Tibet an, mit sechs blinden Jugendlichen den immerhin 7.045 Meter hohen Lhakpa Ri zu erklimmen. In ihrem Dokumentarfilm "Blindsight" berichtet die Filmemacherin Lucy Walker von diesem nicht ganz ungefährlichen Abenteuer und seinem Ausgang.
Der Berg Lhakpa Ri im Himalaja, in unmittelbarer Nähe zum Mount Everest in Tibet gelegen, ist mit einer Höhe von 7.045 Metern alles andere als einfach zu besteigen.
Dennoch wagten im Jahre 2006 sechs junge Tibetaner den Aufstieg. Dies wäre nun keinen Dokumentarfilm wert, wäre da nicht eine Besonderheit: Alle sechs Jugendlichen waren blind.
Regisseurin Lucy Walker begleitete die vier Jungen und zwei Mädchen bei den Vorbereitungen und dem schwierigen Aufstieg. Sie gibt Einblicke in ihre höchst persönlichen Geschichten und die Schicksale der im Alltag häufig diskriminierten Heranwachsenden, denn noch heute herrscht in Tibet der Aberglaube, Blinde seien von Dämonen befallen.
Lucy Walker zeigt, wie sich die Protagonisten mit jedem Schritt bergauf mehr und mehr aus der Rolle der gesellschaftlichen Außenseiter befreien und mit wachsendem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gegen die Natur stemmen. Auf dem schweren und riskanten Pfad zum Gipfel durchleben und durchleiden sie Grenzerfahrungen, die sie letztendlich stark machen für ihre Zukunft in der Welt der Erwachsenen.
Alles in allem drehte das Team rund 250 Stunden Filmmaterial, zusätzlich standen ihnen noch zwanzig Stunden Archivmaterial zur Verfügung. Insgesamt verdichteten sie also etwa 270 Stunden Material im Schnittraum auf 104 Minuten fertigen Film.
Film-Inhalt
Blinde in Tibet
Hintergrund
Blind hoch hinaus
Die Idee zur Expedition entwickelt sich, nachdem Sabriye Tenberken, die Gründerin von "Braille Without Borders" für Blinde in Tibet, mit dem bekannten blinden Bergsteiger Erik Weihenmayer, der 2001 als erster Blinder den Mount Everest bestieg, Kontakt aufnahm.
Als Ziel der Expedition nennt Sabriye Tenberken, "...den Kindern Selbstvertrauen zu geben, damit sie in der Lage sind, ihre Blindheit als Eigenschaft zu akzeptieren."
Sie hält es für richtig, dass die in den Bergen großgewordenen tibetischen Teenager die Berge auch mal richtig kennenlernen und sich mit ihrer Heimat vertraut machen. Manchmal beschlich sie dann jedoch Angst beim Voranschreiten auf einem nur fünfzig Zentimeter
breiten Grat, oder wenn sich die Gruppe der Blinden auf unbefestigten Pfaden mit zwei Stöcken vorwärtstasten musste, um Haaresbreite an einem gefährlichen Abgrund. Auch die erhebliche Kälte von bis zu 25 Grad unter Null zehrte an den Kräften.
Als eine der weiteren großen Hürden bei diesem Projekt entpuppte sich das Genehmigungsverfahren durch die chinesische Regierung.
"Blindsight" lief der Berlinale 2007 in der Sektion Panorama und gewann dort den Publikumspreis. Im Jahre 2006 war der Film für den British Independent Film Award in der Sektion Dokumentation als bester Film nominiert.
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