Sie ist eine der arriviertesten Schauspielerinnen Frankreichs, und mit der Tragikomödie "Actrices" kann Valeria Bruni Tedeschi ihren zweiten Erfolg als Regisseurin und Drehbuchautorin vorweisen. Neben einer Nominierung für den César erhielt das Werk den Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes.
Die Theaterschauspielerin Marcelline (Valeria Bruni Tedeschi) steckt gerade in einer ernsten Lebenskrise. Sie steht kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag, ist alleinstehend und kinderlos. Allmählich merkt sie, wie ihre innere Uhr unerbittlich tickt, doch ihr Beruf, der sie fast vollständig einnimmt, erschwert es, ihren Lebenstraum doch noch zu erfüllen.
Im Moment hat Marcelline gerade auch noch den Kopf voll mit den Proben zu einem neuen Bühnenstück: "Ein Monat auf dem Lande" steht auf dem Programm, und sie spielt die Hauptrolle der Natalaja Petrowna in Turgenjews Werk. Regisseur ist der ambitionierte Denis (Mathieu Amalric), der allerdings ganz eigene Vorstellungen an die Inszenierung hat.
Seine Anforderungen an die Darsteller sind für diese bislang ungewohnt: Nicht etwa Gefühle sind gefragt, sondern vielmehr perfekte Bewegungsabläufe. So dauert etwa das Einstudieren des schlichten Durchschreitens einer simplen Tür eine nervtötend lange Zeit, und die Geduld der Mimen wird auf eine harte Probe gestellt.
Doch eigentlich verehrt Denis seinen weiblichen Star und eröffnet ihr seine Liebe. Seinerseits wird er wiederum von seiner Assistentin Nathalie (Noémie Lvovsky) angemacht. Als er die beiden vorstellt, wird Marcelline ihre private Lage schmerzlich bewusst: Die beiden Frauen waren zwanzig Jahre zuvor gemeinsam auf einer Schauspielschule, doch Nathalie hatte diesen Beruf aufgegeben - sie hat einen Ehemann und Kinder.
Marcellines Besuch bei der Gynäkologin (Souzan Chirazi) bestätigt ihre Torschlusspanik: Mit professioneller Kühle wird ihr mitgeteilt, dass ihr nur noch wenig Zeit bleibt, um ein Kind bekommen zu können - die Verschreibung von Hormonen kann da ihr Gemüt auch nicht aufhellen. In ihrer Verzweiflung bittet sie gar den Pfarrer (Pascal Bongard) sie zu schwängern.
Jedenfalls sind die wohmeinenden Ratschläge von Marcellines Mutter (Marysa Borini) nicht unbedingt zielführend, und selbst der Geist ihres verstorbenen Vaters (Maurice Garrel) versucht zu helfen. Doch einen Lichtblick gibt es schon noch: Ihr junger, attraktiver Bühnenkollege Éric (Louis Garrel) wird zunehmend auf Marcelline aufmerksam...
Film-Inhalt
Für Marcelline (Valeria Bruni Tedeschi) tickt die Uhr
Hintergrund
Geheimnisvoll und verführerisch: Éric (Louis Garrel)
Die Idee zu "Actrices" entstand aus eigenem Erleben: Valeria Bruni Tedeschi selbst hatte die Rolle der Natalja Petrowna in Turgenjews "Ein Monat auf dem Lande" spielen sollen und war durch die Regieassistentin ersetzt worden. Als sie davon ihrer langjährigen Freundin und Kollegin Noémie Lvovsky erzählte, kamen beide überein daran anknüpfend eine Geschichte zu entwickeln.
Dabei schrieben sie sich selbst ihre Rollen auf den Leib, wiewohl für die Figur der Nathalie zunächst Probeaufnahmen mit anderen Schauspielerinnen gemacht wurde. Ebenso wie schon bei ihrem ersten Spielfilm besetzte Bruni-Tedeschi die Rolle ihrer Filmmutter mit ihrer leibliche Mutter Marysa Borini.
Schauplatz war das Theatre des Amandiers in Nanterre westlich von Paris. Für die Regisseurin war dies eine Reise in die Vergangenheit. Dort hatte sie zwei Jahre ihrer Schauspielausbildung verbracht, und erinnert sich: "Diese Zeit, als ich in den Inszenierungen von Patrice Chéreau und Pierre Romans spielte, war fundamental für mein berufliches Leben, mein Liebesleben und natürlich auch für Freundschaften."
Valeria Bruni-Tedeschi wurde am 16. November 1964 in Turin als Tochter des Opernkomponisten Alberto Bruni Tedeschi und der Konzertpianistin Marysa Borini geboren. Ihr Großvater war Virginio Bruni Tedeschi, Gründer des Kabel- und Reifenkonzerns CEAT, der mittlerweile zu Pirelli gehört. Sie ist die Halbschwester von Carla Bruni, der Gattin des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy.
Als Valeria neun Jahre alt war, zog ihre Familie aus Angst einer Entführung durch die Roten Brigaden nach Frankreich. Sie hatte Schauspielunterricht an mehreren Theaterinstituten und feierte mit "Paolino, la juste cause et la bonne raison" nach einer Komposition des Vaters ihr Debüt auf der Bühne und im Fernsehen.
Ihre erste Rolle in einem Kinofilm hatte sie 1986, der Beginn einer steilen Karriere als vielfach preisgekrönte Schauspielerin. Nach dem ebenfalls mehrfach ausgezeichneten "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr" ("Il est plus facile pour un chameau") von 2003 ist Actrices ihre zweite Arbeit als Drehbuchautorin und Regisseurin.
Kurzinfo Valeria Bruni-Tedeschi
Denis (Mathieu Amalric) mit Assistentin Nathalie (Noémie Lvovsky)
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Bild-Gallerie
Eric trifft auf Natalaja Petrowna (Valeria Golino)
Buch: Valeria Bruni Tedeschi, Noémie Lvovsky, Agnès de Sacy
Kamera: Jeanne Lapoirie
Schnitt: Anne Weil
Produktion: Olivier Delbosc, Marc Missonnier
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart, Joe Garland, Dino Fekaris, Freddie Perren, Jerome Moross
Kostueme: Caroline De Vivaise
Maske: Caroline Philiponnat
Darsteller: Valeria Bruni Tedeschi, Noémie Lvovsky, Louis Garrel, Mathieu Amalric, Marysa Borini, Valeria Golino, Maurice Garrel, Bernard Nissile, Olivier Rabourdin, Laetitia Spigarelli, Gilles Cohen, Marie Rivière, Franck Demules, Souzan Chirazi, Anne Barry, Arthur Igual, Eric Elmosnino, Robinson Stévenin, Laurent Grévill, Pascal Bongard, Brian Mac Cormack
Zeitgleich mit dem Film "Actrices" in der Regie von Valeria Bruni Tedeschi liefen am 17.04.2008 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an: