Der vielfach preisgekrönte Filmemacher Veit Helmer ist bekannt für ungewöhnliche Themen und exotische Schauplätze. Mit der Komödie "Absurdistan" hat er wieder beides verwirklicht und seiner Trophäensammlung ein wichtiges Stück hinzugefügt. Das Werk um ein Paar und ein Dorf in Liebesnöten und Wassernot war auf dem Sundance Film Festival für den Jurypreis nominiert und erhielt den Bayrischen Filmpreis.
Ein abgelegenes Dorf in Absurdistan, einem Land, in dem nach wechselhafter Geschichte und schließlich dem Zerfall der maroden Sowjetunion die Zeit stehengeblieben scheint. Man gibt hier viel auf Traditionen, und das betrifft auch ein junges Liebespaar: Aya (Kristyna Malérová) und Temelko (Max Mauff), von Kindesbeinen miteinander befreundet sind einander versprochen.
Doch der Zeitpunkt ihrer ersten Liebesnacht ist nicht beliebig, sondern wird durch einen uralten Ritus bestimmt. Ayas Großmutter (Nino Chkheidze), die sich aufs Sterndeuten versteht, sieht die schicksalhafte Nacht gekommen, wenn die Sternenbilder Jungfrau und Zentaurus sich vereinigen. Das soll am 11. Juli geschehen, doch die Geduld der beiden wird auf eine harte Probe gestellt: Nämlich erst in vier Jahren.
Als der sehnlichst erwartete Termin in greifbare Nähe rückt, droht allerdings ein weiteres Hindernis: Das vor dem ersten Sex obligatorische Bad fällt ins Wasser - jenes ist nämlich versiegt: Ausgerechnet jetzt gibt der Dorfbrunnen kaum noch einen Tropfen her. Gespeist wurde er aus einer entfernten Quelle über ein uraltes Rohrsystem.
Diese Leitungen wurden nach dem beschwerlichen und für einige - wie auch Ayas Eltern - tödlichen Errichtung nie gewartet, und der Zahn der Zeit hat dafür gesorgt, dass sie nunmehr völlig marode sind. Da die Männer des Ortes von jeher ziemlich träge sind, einigen sich die Frauen auf ein radikales Mittel, um sie zur Instandsetzung zu bewegen.
Fortan werden die Männer boykottiert: Kein Wasser - kein Sex. Das Dorf wird geteilt, auf der einen Seite die erbosten Ehefrauen, auf der anderen die faulen Männer. Es entwickelt sich ein Geschlechterkampf, der von beiden seiten erbittert und einfalsreich geführt wird. Da die Frauen nicht nachgeben, behelfen sich die Männer mit Pornos und einer Nutte.
Und zwischen den Parteien steht Temelko, der mit einer waghalsigen Aktion plant, das lebenswichtige Nass zurückzubringen und zusammen mit Aya doch noch Erfüllung zu finden...
Film-Inhalt
Aya (Kristyna Malérová) und Temelko (Max Mauff) lauschen der Weissagung der Oma
Hintergrund
Die Frauen gucken in die Röhre
Natürlich könnte Absurdistan überall sein, denn wo auf der Welt gibt es keinen Streit zwischen Mann und Frau, der irgendwie auch etwas mit Wasser zu tun hat. Auch in "zivilierten Ländern", ob es etwa um den Abwasch in der Küche geht oder die Haltung beim Wasserlassen im Bad.
Im Fall dieses Films ist Absurdistan allerdings festgelegt: Der Schauplatz des Bergdorfes, wo der Großteil der Handlung stattfindet, ist Lahic in Aserbaidschan. Es liegt im Nordwesten, am Südrand des Kaukasus in der Nähe der Stadt Seki.
Es dauerte ganze vier Jahre, bis Regisseur Veit Helmer den passenden Drehort gefunden hatte. Vorher hatte er halb Europa durchsucht und war bis Marokko vorgestoßen, ohne ein für ihn befriedigendes Ergebnis. "Nichts strahlte die passende Magie aus, erinnert er sich. "Als ich fast die Hoffnung aufgegeben hatte, wurde ich in entlegenen Gegenden von Aserbaidschan fündig: wundervolle Dörfer, die schöner waren, als ich es mir selber ausdenken könnte."
Als Helmer seinen Wunschort gefunden hatte, waren die Vorbereitungen noch lange nicht beendet. Da die Infrastruktur für das fünfzigköpfige Filmteam, das sich dort fast zwei Monate aufhalten sollte, ziemlich unterentwickelt war, setzte er alle Hebel in Bewegung, um seinen Mindestanforderungen standhalten zu können.
So gab es zwar zwei Teestuben und sieben Moscheen, doch kein Hotel mit einer annähernd ausreichenden Kapazität. Das wurde gebaut, was einen Teil des Budgets aufbrauchte, und in Privatunterkünfte, wo ein Teil der Crew unterkam, wurden Duschen installiert. Die überforderten allerdings die örtliche Wasserversorgung - womit dem Thema in "Absurdistan" vorgegriffen wurde.
Sarah Wiener, die auf Filmcatering spezialisiert ist, stellte ein entsprechendes Fahrzeug zur Verfügung, und auch ein eigener Stromgenerator musste per LKW auf den Weg gebracht werden. Und auch hier war wieder Wasser im Spiel: Da der Trucker unterwegs verbotenerweise im Kura, dem Grenzfluss zwischen Georgien und Aserbaidschan, ein Bad nahm, wurde er verhaftet, was die Ankunft erheblich verzögerte.
Am Drehort
Die Männer werden in die Stadt geschickt
Die Besetzung
Es droht Dürre in Bad und Bett
Bei der Auswahl seiner Schauspieler setzte Veit Helmer auf einen internationalen Cast. Dem deutschen Pulikum am bekanntesten dürfte Maximilian Mauff sein - der 1987 geborene Berliner spielt im Drama "Die Welle" mit, die eine Woche vor "Absurdistan" im deutschen Kino gestartet ist.
Seine Filmpartnerin Kristyna Malérová (Aya) stammt aus Tschechien, hatte Erfahrung auf der Bühne und gibt mit "Absurdistan" ihr Filmdebüt. Ansonsten werden die Bewohner des fiktiven Dorfes unter anderem von Serben (Suzana Petricevic, Vlasta Velisavljevic), Portugiesen (Helder Costa), Franzosen (Sarah Bensoussan) und Marokkanern (Azelarab Kaghat) gespielt.
Weitere deutsche Darsteller sind Otto Kuhnle als Friseur und Hendrik Arnst als Wirt. Die internationale Besetzung sorgte auch privat für intime Völkerverständigung. "Am Ende gab es 16 Paare", konstatiert Helmer "Alle paar Monate werde ich jetzt zu einer Hochzeit eingeladen. Ende November 2007 kam das erste Kind zur Welt."
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Bild-Gallerie
Aya zeigt den Männern die Grenze auf
Stab und Besetzung
Aya sucht Trost bei ihrer Großmutter (Nino Chkheidze)